Zum Inhalt springen

Geschichte der Kapelle

Das Gebäude der heutigen KonRADWEGkapelle wurde 1938 von der Nationalsozialistische-Volkswohlfahrt (NSV) gebaut.  Der Kindergarten sollte ein Musterkindergarten für eine nationalsozialistische Kleinkindererziehungsanstalt sein. Im November 1938 war der Kindergarten baulich fertiggestellt und im Januar 1939 eröffnet. Der langestreckte, einstöckige Bau beherbergte auch Wohn- und Schlafzimmer für die Kindergärtnerin.

Nach Beendigung des 2. Weltkriegs strebte die katholische Bevölkerung von Külz im September 1945 mit Unterstützung der Kirchengemeinde Biebern die Umwandlung in eine katholische Kapelle an.

Am 19. September wurde das Gebäude von der katholischen Kirchengemeinde für 13.500, - Reichsmark gekauft. Die Finanzierung erfolgte über Spenden der Gläubigen.

Am 2. Dezember 1945 wurde die Kapelle eingesegnet und dem Heiligen Konrad von Parzham geweiht.

Die evangelische Bevölkerung fühlte sich beim Kauf übergangen. Man konnte sich eine andere Nutzung des Gebäudes vorstellen. Etwa als Gemeindehaus oder weiterhin als Kindergarten. Um die Lage zu befrieden erklärte die Militärregierung am 23. Januar 1946 den Kauf für nichtig und schloss zunächst einen Mietvertrag mit der Kirchengemeinde.

Im Oktober 1949 sollte das Gebäude der Ortsgemeinde Külz übertragen werden. Der Külzer Ortsgemeinderat erklärte, das Gebäude sei als Gemeindehaus ungeeignet und die Zivilgemeinde habe deshalb kein Interesse an einer Übernahme, die katholische Kirchengemeinde könne die Kapelle kaufen.

Im Frühjahr 1950 erwarb die katholische Kirchengemeinde die Kapelle zum zweiten Mal. Diesmal für 14.000, - Deutsche Mark. Der Betrag wurde aufgeteilt: 10.000, - DM gingen an das Land Rheinlad-Pfalz, 4.000, - DM an die Gemeinde Külz.

Damit war der Verbleib der katholischen Kapelle in Külz endgültig gesichert.

Nach vielen Jahren der Nutzung als Kapelle der katholischen Pfarrei Biebern wurde 2023 beschlossen, den Raum wegen der kostengünstigeren Heizung als Winterkirche zu nutzen. Von November bis März finden die Sonntagsgottesdienste mit Ausnahme der Weihnachtsgottesdienste nun in der kleineren Kapelle statt.

 Auf Grund der günstigen Lage zum Schinderhannesradweg lag die Idee, in den Sommermonaten die Kapelle für den Radtourismus zu öffnen nahe. Mit der KonRADWEGkapelle wird die Freude an Bewegung mit einem bewegenden Glauben verbunden.

In Unterlagen aus den Jahren 1945-1950 fiel öfters der Begriff „Kriegsgedächtniskirche“. Die Kapelle sollte also auch ein Ort gegen das Vergessen sein und an alle Opfer dieses brutalen und verbrecherischen Krieges erinnern. Aus den Dokumenten ist zu entnehmen, wie schmerzlich der Tod der überwiegend jungen Männer für die Hinterbliebenen war.

Die Kapelle ist mehr als nur ein Gebäude, sie ist auch ein Mahnmal!

Ein Mahnmal deshalb, weil der ursprüngliche Bau dazu diente, bereits kleine Kinder mit dem menschenverachtenden Gedankengut des Faschismus zu vergiften. Bei der Umwidmung in eine Kapelle gab es Streitigkeiten unter den evangelischen und katholischen Gemeindemitgliedern, die von Missgunst und gegenseitigem Misstrauen geprägt waren. Die Kapelle mahnt uns somit zu diesem oft beschworen „nie wieder“ und zu einer vertrauensvollen Ökumene.

Christlicher Glaube ist immer ein Glaube in Bewegung, aufeinander zu, füreinander da und so ist es wohl Gottes Wille, dass die Konrad von Parzham Kapelle im Jahr 2026 zur KonRADWEGkapelle erweitert wird.

Diakon Franz Jahn

 

Ganz besonders möchte ich Peter Kuhn aus Külz für die Überlassung von Chroniken und Schriftverkehr zwischen Gemeinderat und Kirche danken.